Tiere brauchen auch eine Ruhephase, das wissen wir.
Aber wie sieht das bei den Pflanzen aus? Schlafen Pflanzen auch?
Eine Pflanze steht, wo sie steht und kann sich nicht wohlig ausstrecken oder hinlegen. Sie hat nicht einmal ein Gesichtsfeld, um ihre Augen zur Entspannung zu schließen. Du wirst sicher auch glauben, dass Pflanzen eine Art der Ruhe brauchen, aber wie soll das funktionieren? Schließlich brauchen sie viel Kraft, um eine gute Wurzelmasse zu bilden, zu wachsen und zu blühen. Persönlich bin ich davon überzeugt, dass sich eine Pflanze in der Dunkelheit ganz anders verhält, als während der Lichtperiode. Pflanzen arbeiten während der Nacht in vielen Punkten langsamer, als tagsüber während der Synthese. Das geschieht nicht um sich auszuruhen, sondern ist in erster Linie die Folge von Dunkelheit (also keine Syntheseaktivität).
Pflanzen produzieren mit Hilfe von Sonnenlicht ihre eigene Nahrung. In dem Hautgewebe (Epidermis) der Pflanze, wo die Spaltöffnungen sitzen, die von Schließzellen begrenzt werden, wird das Licht aufgefangen. Es ist dieser Faktor, wodurch sich CO2 (Kohlenstoffdioxyd), welches sich in der Luft befindet, zusammen mit Licht und Feuchtigkeit innerhalb der Pflanze eine chemische Reaktion eingeht. Hierdurch wird CO2 in Zucker und Sauerstoff umgesetzt. Weil Sonnenlicht diesen ganzen Prozess in Gang bringt, spielt er nur während des Tages eine Rolle, wenn es also hell ist. Dieser Trick von Mutter Natur kann künstlich, mit Hilfe von Lampen, die zusätzlich, außerhalb der regulären Lichtstunden leuchten, beeinflusst werden. Der gesamte Prozess (also die Fotosynthese) liegt brach, während der Dunkelheit und kommt erst wieder in Gang durch den größten Faktor der Synthese, das Licht. Doch es ist nicht nur alleine das Licht, das dafür sorgt, dass sich die Pflanze während der Dunkelheit anders verhält als bei Lichtstunden.
Soweit ich weiß, war es Jacques DE Mairan (der von 1678 bis 1771 lebte), der dieses als Erster entdeckte. Er war ein Astronom und Wissenschaftler. Ihm war aufgefallen, dass einige Pflanzen, die er als Zimmerpflanzen hielt, tagsüber ihre Blätter öffneten, sich dabei in Richtung der Sonne drehten und sich dann wieder während der Dämmerung schlossen. Mittlerweile sind wir klug genug, um zu wissen, dass sehr viele Pflanzen sich so verhalten, weil es in der Nacht nichts (kein Licht) zu empfangen gibt. Der Schließmechanismus der Blätter bewirkt, dass sich darin die Wärme länger speichert. Aber De Mairian war ein neugieriger Mann (wo ich genauso empfinde, wenn es um Pflanzen geht), der sich fragte, wie dieser Mechanismus funktionierte. Schließlich nimmt eine Pflanze nicht nur zum Spaße den so genannten "Schlafzustand" ein. Indem der Wissenschaftler ein paar Pflanzen in einen dunklen Raum gebracht hatte, um sie aus dieser Situation heraus besser studieren zu können, kam er zu dem Schluss, dass einige Pflanzen einfach ihren Blatt-auf-und-zu-Klapp-Mechanismus beibehielten. Das war merkwürdig und ließ den weiteren Schluss zu, dass es wohl eine Art Biologischer-Uhr in den Pflanzen gibt. Manchen Pflanzen war es egal, ob es nun hell oder dunkel war, sie öffneten in dem Moment, wenn der tägliche Lichtzyklus beginnen sollte ihre Blätter (obwohl ihnen das Licht enthalten wurde).
Biologisch ausgedrückt: Die Uhr-Gene regulieren die biologische Uhr der Pflanze. Wir gehen dabei von einem 24- Sunden Rhythmus aus, wie wir ihn (soweit ich weiß) bei allen Organismen eingebaut finden. Diese biologische Uhr ist für eine große Anzahl von Prozessen, die innerhalb der Pflanzen ablaufen, verantwortlich. Ebenso bei Menschen, Tieren, Schimmeln und selbst bei einzelligen Organismen spielt diese biologische Uhr eine bedeutende Rolle. Mehr und mehr entdecken Wissenschaftler, welche Gene dafür verantwortlich sind.
Nun gehe ich wieder zurück zu unserer geliebten Pflanze, der Cannabis D’ Indica Officinalis. Die biologische Uhr ist mit Sicherheit der Auslöser von vielen Prozessen, die innerhalb der Pflanze stattfindet. Zudem können wir sie aber mit einer extra Portion Licht täuschen.
Ein wichtiges Detail ist, dass eine Pflanze hauptsächlich in der Dunkelheit Eiweiße produziert. Diese Eiweiße (die meisten davon) sind wichtig, wenn die Synthese wieder anfängt. Viele Eiweiße sind aber nur begrenzt haltbar. Deshalb werden die meisten Eiweiße erst in den letzten Stunden der Dunkelheit hergestellt. Die Pflanze hat also auch während der dunklen Phase viel zu tun, sie arbeitet härter als wir vermuten. Zum Beispiel findet die Wurzelbildung größtenteils während der Dunkelphase statt, vor allem die Herstellung von “Trinkwurzeln”. Das ist meine Erfahrung. Auch die Kohlenstoffreservoirs werden in dem Moment aktiviert, wenn es hell wird und die Synthese beginnt. Nachts setzen die Pflanzen ihre eigenen Zuckerstoffe in Basis-Nährstoffe um, woraus CO-2 entsteht. In Zusammenhang mit anderen Prozessen entsteht daraus eine Situation, die von der Pflanze benötigt wird, wenn die Synthese wieder beginnt. Außerdem wechselt in der Nacht, die Wasserbalance im Boden in ein anderes Gleichgewicht, weil die Pflanze ihre Spaltöffnungen wegen der ruhenden Fotosynthese geschlossen hat. In dieser Zeit wird auch kein Wasser aus dem Boden gezogen.
Ein wichtiger Faktor ist, dass die Temperatur des Pflanzmediums gut ist, die Lufttemperatur ist wesentlich weniger wichtig, als früher oft angenommen. Stehen die Wurzeln in einem Medium, das während der Dunkelphase nicht zu stark abkühlt, würde ich mir keine Sorgen wegen der Nachttemperatur im Zuchtraum mehr machen. Mutter Natur wird mit ihrer biologischen Uhr ihren Weg gehen. Gut zu vergleichen mit einem Weingarten. Den besseren Weingarten findet man in einem Gebiet mit Lehm- und Schieferböden. Der Schiefer speichert tagsüber die Wärme und gibt sie an die Wurzeln weiter, sodass die Wurzeln eines Weinstockes nie zu kalt stehen. Es ist nicht schwer zu verstehen, dass ein Medium auf dem 12 Stunden lang, 400 Watt- oder 600 Watt Lampen "draufbrennen", nicht sofort abgekühlt ist, wenn die Lampen ausgehen.
Die Sache ist so: Je größer und tiefer das Medium ist, desto mehr Profit tragen die Pflanzen davon. Deshalb empfehle ich auch immer in einem großflächigen Behältnis, anstatt in einzelnen Töpfen, zu züchten.
Stay cool, high and take time to fly.
SpeesCees (Mr.XX)