Spees mit Cees
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Eine wichtige Frage für Züchter ist noch immer: Worauf muss man achten, um zu erkennen, ob die Pflanzen gesund sind und ob sie sich auch gut entwickeln? Ausgehend von meinen Beobachtungen und Erfahrungen, achte ich während des gesamten Zyklus vor allem gut auf die Schutzblätter.
In dieser Folge von SpeesCees werde ich deshalb auch kein “Blatt” vor den Mund nehmen ...
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Ein Schutzblatt, das in den Lichtstunden noch steil nach oben zeigt, ist noch vollauf im Syntheseprozess. Sollten die Pflanzen, aus welchem Grunde auch immer, Probleme bekommen, würden sie zuerst die Schutzblätter einsetzen und dadurch ihre Bedürfnisse deutlich zeigen. Wenn das passiert, kannst du beobachten, wie die steil nach oben gerichteten Blätter sich zu schlapp nach unten hängenden Blättern verwandeln. In kürzester Zeit werden sie dann gelb. Die untersten Blätter sollen sogar gelb werden, das ist auch logisch, sie haben bei der Hälfte des Zyklus ihre Aufgabe vollbracht und sterben allmählich langsam ab. Sie geben dabei noch die vorhandenen Reste an Nährstoffen an die Pflanze ab, bevor die Pflanzen fertig zum Ernten sind. Am Anfang haben sie das meiste Licht bekommen, also auch die meiste Arbeit verrichtet. Lass die gelben Schutzblätter ruhig an ihrem Platz ... sie haben immer noch viel beizusteuern.
Licht
Wenn sich die Pflanzen dann weiter entwickelt haben und eine Masse neuer Blätter entstanden ist, erreicht nicht mehr viel Licht an die untersten Schutzblätter. Die Folge daraus ist, dass diese Blätter ihre noch verwertbaren Stoffe an die Pflanze abgeben und deshalb selber gelb werden. Deshalb ist es ratsam, immer gut nach den mittleren Schutzblättern zu schauen, obwohl sie sich auf der Hälfte der Pflanze befinden: Wenn diese schlapp hängen, ohne dass irgendetwas Auffälliges zu beobachten ist, dann sollte man sich Sorgen machen. Zu viel Wasser ist dann meistens die Ursache davon!
Farbe
Natürlich achte ich auch auf die Farbe der Pflanze in ihrer Gesamtheit. Indicas sind im gesunden Stadium schön tiefgrün. Viele Sativasorten sind dagegen ein Stück heller in der Farbe. Die Farbe einer Pflanze sollte insgesamt in jedem Fall immer gleich sein (Die frischen Triebe, die gebildet werden, sind immer etwas heller.). Lassen sich zwischen den Adern des Blattes deutlich hellere Flecken in Streifenform erkennen, dann läuft etwas mit dem Aufnahmevermögen der Pflanze falsch oder anders gesagt: Da ist einfach ein Nährstoffmangel vorhanden. Auch wenn die Pflanzen vollauf in der Blüte stehen und sie plötzlich innerhalb weniger Tage aufhören, neue Blüten zu bilden, gibt es ebenfalls meistens ein Problem.
Dieses eventuelle Problem lässt sich beobachten, wenn die zwei Blütenstempel (weiß bis gelblich) plötzlich braun werden. Jedes Blütengefäß enthält nur zwei Blütenstempel, die warten auf Pollen, um befruchtet zu werden und sie sind bestimmt 5 bis 9 Tage empfänglich, also schön weiß, gebrochen weiß oder gelblich, abhängig von der Sorte. In den ersten Wochen sollte man gut aufpassen, dass die Internoden von den Pflanzen nicht zu groß sind, denn dann hängt die Lampe zu hoch! Internoden von 7 bis 10 cm sind perfekt für Sativas. Bei Indikas, die einen guten gesunden Eindruck machen, kann man von etwa 5 bis 8 cm ausgehen.
Zu große Internoden können auch die Folge von zu wenigen Bausteinen (Nahrung) sein, denn auch dann haben die Pflanzen die Neigung zu sprießen. Wenn das der Fall sein sollte, dann hätte man es eigentlich schon an der Farbe der “Damen” erkennen können, die dann nicht richtig “tiefgrün” aussehen.
Verwöhnen
Jetzt möchte ich nochmal etwas konkreter werden: Davon ausgehend, dass man auf einem guten Medium züchtet und davon ausgehend, dass man die Gebrauchsanleitung von dem Dünger, den man verwendet, gut gelesen hat und dass man sich dabei an die Empfehlungen hält, dann können die Pflanzen noch schlapp aussehen, weil man zu viel Wasser gegeben hat. Vor allem bei Zuchtanfängern, die in Töpfen züchten, ist das ein bekanntes Phänomen: Sie setzen sich zehnmal am Tag zu ihren Pflanzen, reden mit ihnen und können es nicht lassen, sie zu verwöhnen. Dieses Verwöhnen besteht meistens aus: Eben noch etwas Wasser extra geben, weil die obere Schicht von dem Medium sich ziemlich trocken anfühlt.
Anstatt den Topf anzuheben, um dessen Gewicht zu schätzen, nehmen sie das Risiko einer Überwässerung in Kauf, was ein sehr großer Fehler ist.
Ein Feuchtigkeitsmesser für den Boden oder besser noch: Ein Tensiometer löst dieses Problem auf. Lasse den Feuchtigkeitsmesser, im Gegensatz zu einem Tensiometer, niemals in dem Medium stehen. Reinige immer, nach Gebrauch, das unterste Stück der Legierung, sonst ist so'n Ding nach ein paar Wochen schon wertlos. Sie sind nicht so teuer, die Feuchtigkeitsmesser, aber um ehrlich zu sein, finde ich, dass es kein zuverlässiges Produkt ist, sondern höchstens eine Alternative zum Tensiometer. Am besten lernt man einfach, am Gewicht zu erkennen, ob die Pflanzen Wasser brauchen, indem man den Topf anhebt oder kauft ein Tensiometer.
Samen
Es überrascht mich noch immer, dass nicht wenige niederländische Züchter weiterhin auf die Zucht mit Stecklingen schwören, anstatt im nächsten Zyklus einmal die Zucht mit Samen zu versuchen. Kein Steckling ist so stark wie eine Samenpflanze. Keine Ernte so hoch wie die von einem Sämling. Und das Gejammer über mögliche männliche Pflanzen ist dummes Gerede. Ein paar TL-Lampen (Philips33 Cool White) vollbringen Wunder. Nimm etwas Blumenerde, mische etwas Lehm darunter und am besten auch noch etwas Sand, aber füge keinen Dünger hinzu! Nehme Töpfchen in den Maßen 10 x 10 cm und gib in jedes Töpfchen einen Samen. Etwas anfeuchten und dann 48 Stunden eine Plastikfolie darüber stülpen. Nach den 48 Stunden wird die Folie entfernt und die TLs mit 2 cm Abstand über die Töpfchen gehängt. Mit gutem Samen kommen bis zu 99% Sämlinge. Man sollte immer konsequent handeln und die Zeitschaltuhr am zweiten Tag nach der Keimung auf 12 Stunden stellen! Nach etwa 14 bis 16 Tagen werden die männlichen Pflanzen ausselektiert.
Auf diese Weise lassen sich 70 bis 85 Prozent weibliche Pflanzen züchten.
Wenn man dann drei Wochen bevor man erntet, schon mit der neuen Aussaat der Samen beginnt, dann steht die Blüteecke am selben Tag, wie dem der Ernte, gleich wieder voll mit schon drei Wochen lang blühenden Pflanzen. Also 6 bis 7 Wochen später kann man dann schon wieder ernten!
Die 10 x 10 cm Töpfchen können das gerade noch verkraften, darum braucht man sich nicht zu sorgen. Wenn ich sieben Mal im Jahr ernten kann, können andere das auch, glaube ich. Wer dieses System einmal einen Zyklus lang ausprobiert hat, kommt nicht mehr davon los ...
Vorteile
Die Vorteile des Züchtens nach Art von SpeesCees liegen auf der Hand, glaube mir.
Ich habe für Interessierte eine Zusammenfassung der wichtigsten Vorteile aufgelistet:
1. Keine leere Ecke, weil man immer noch auf Stecklingsjagd ist. Es ist durch unsere niederländische Justiz stets schwieriger, schnell an gute Stecklinge zu kommen.
2. Keine Spinnmilben und Thripse, die man meistens gratis mit den Stecklingen geliefert bekommt.
3. Man hat nur 6-7 Wochen Blütezeit, bei Pflanzen die normalerweise bis zu 10 Wochen Blütezeit benötigen.
4. Es resultieren stärkere Pflanzen mit dickeren Stämmen und einem wirklichen Haupttoppen (80% des Erntegewichts kommt von der Hauptblüte).
5. Man kann eine Pflanze ganz nach eigener Vorliebe auswählen, anstatt von der begrenzten Angebotspalette auf dem Stecklingsmarkt abhängig zu sein.
6. Man bleibt ein Stück anonymer und bringt auch keinen anderen in Gefahr.
7. Ein Sämling hat auch keine Wurzelfäulnis, wenn sie ordentlich groß gezogen wurden.
8. Kein Ausfall im Blüteraum
9. Sämlinge sind beständiger gegen Schimmelkrankheiten, weil sie von Natur aus eine ‘kleine Fabrik’ in sich haben (in der Pfahlwurzel). Ein Steckling verfügt darüber nicht.
10. Man spart viel Energie, weil man die ersten drei Wochen die Pflanzen unter TL-Leuchten setzt. Die Röhren können sogar ein paar Zentimeter über den Pflanzen hängen, ohne Wärmeprobleme zu verursachen!
Also, da ist immer noch genügend Spees und nicht nur für Cees.
Ich hoffe, dass ihr diesmal wieder genügend davon bekommen habt.
Stay cool, high and take time to fly,
SpeesCees